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Roboter haben die Geschäftsreise längst errei

05. Dezember 2017

Travel Manager, so die zweite übergreifende Aussage, tun gut daran, ihre Rolle strategisch neu zu definieren.

„Roboter sind die nächste Stufe der Automatisierung“, sagte Yvonne Moya, Associate des Bot-Anbieters Festive Road. Gleich mehrere Sessions zeigten, wo Chatbots und Künstliche Intelligenz bereits im Einsatz sind und welche Möglichkeiten kurz vor der Marktreife stehen. Karen Hutchings zum Beispiel, Global Travel, Meetings & Events Leader von EY (Ernst & Young), hält Robotik inzwischen für „Mainstream“. Sie nutzt Roboterprozesse auf der Basis Künstlicher Intelligenz, um das Verhalten der Reisenden im Unternehmen zu prüfen und sie zur Einhaltung der Reiserichtlinien anzuhalten. Zum Beispiel halte die intelligente Software die Reisenden automatisch dazu an, frühzeitig und damit günstigere Tarife zu buchen. Serdar Gürbüz, Head of Digital Innovation bei Turkish Airlines, setzt Chatbots unter anderem für den Online-Check-in ein. Yvonne Moya von Festive Road ermöglicht es Reisenden aus beliebigen Ländern, in Sekundenschnelle die für sie gültigen Reiserichtlinien abzufragen. „Das Thema ist da und wird bleiben“, sagte sie. „Es geht darum, es in die Unternehmensumgebung zu übertragen.“ Und zwar auch in Nischen wie dem Travel Management.

Michel Rouse, Chief Technology Officer EMEA von FCM Travel Solutions, nannte als plakatives Beispiel digitale Assistenten, die keine Abflugzeiten ausgeben, sondern einfach zur rechten Zeit sanft mahnen, man müsse jetzt zum Flughafen aufbrechen. Es brauche Unmengen an Daten und Intelligenz, um das so simpel zu gestalten, sagte er. Beide Ressourcen, so wurde in Frankfurt klar, stehen inzwischen ausreichend zur Verfügung.

Das gilt auch für Meetings & Events. Jessie States, Manager of Professional Development von Meeting Professionals International, zeichnete eine nahe Zukunft, in der persönliche, ans Ohr geklemmte digitale Assistenten alles Gehörte aus beliebigen Sprachen in Echtzeit in die eigene übersetzen. Im Zusammenspiel mit einer digitalen Brille können sie jeden entgegenkommenden anderen Tagungsgast erkennen und benennen. „Stellen Sie sich vor, was das für die Effizienz einer Tagung bedeutet“, sagte sie, nicht ohne die naheliegenden datenschutzrechtlichen Probleme anzusprechen. Der Boom der Wearables bringe auch noch ein ganz anderes Problem mit sich: Im Jahr 2020 werde jeder Mensch im Schnitt fünf vernetzte Kleincomputer bei sich tragen. „Wie muss ein W-Lan der Zukunft aussehen, dass diese Menge verarbeiten kann?“, fragte sie. „Und wehe, es funktioniert nicht.“

Alle Redner waren bemüht, den anwesenden Travel Managern die Angst zu nehmen, Roboter könnten ihnen die Arbeit wegnehmen. „Es geht darum, banale, sich wiederholende Arbeit an die Maschinen abzugeben“, so beispielsweise Karen Hutchings von EY. Dabei entstehe Einkäufern und Travel Managern Freiraum für strategische Aufgaben.

Dass sich die Rolle des Travel Managements ändern muss, zeigte gleich die erste Session der Tagung. Reiseeinkauf heiße bisher vor allem Verhandeln, sagte Jacqueline Taylor, Vice President Sourcr-to-Pay bei Genpact. „Davon müssen wir fortkommen.“ Die Diskussionsrunde zum „Post-Procurement Practitioner“ war sich einig darin, dass Travel Management stärker die Reisenden und die Mehrwerte für sie in den Mittelpunkt stellen sollte statt bloße Kostenreduktion. „Es geht nicht darum, ein Produkt zu kaufen, sondern darum, eine Lösung zu bekommen“, so VDR-Präsident Dirk Gerdom, der in seiner Rolle als Chief Operating Officer and Vice President Global Procurement Organization von SAP sprach. Statt einfacher Hotelbuchungen müssten Dienstleister Gesamtlösungen aus Einkauf, Bezahlung und Erstattung bieten, statt einfacher Mietwagenbuchungen ein integriertes Mobilitätskonzept für Firmen- und Mietautos. Es gehe um „Nachfrage-Management“, fasste es Jacqueline Taylor zusammen. Ein zentrales Merkmal für sie: analytische Prognosen („predictive analytics“). Auch Alex Kaluzny, Chief Technology Officer von Egencia, sprach sich dafür aus, Reiserichtlinien mithilfe von Daten eher auf Mehrwerte für die Reisenden auszurichten denn auf Kosten. Das schloss den Bogen zu datenbasiert arbeitenden Robotern.

Travel Management muss sich auch ändern, weil sich die Arbeitswelt ändert. In der so genannten Gig Economy mit kurzen Arbeitsaufträgen statt langen Arbeitsverhältnissen, wo also ein wachsender Anteil der Belegschaft frei arbeitet, gelten andere Regeln für Geschäftsreisen, so Peggy Smith, President und CEO von Worldwide ERC. Der Umgang mit Mobilität werde für junge Leute dabei zum Faktor der Mitarbeiterbindung.

Eine einprägsames Beispiel für den generationsbedingten Wandel fand Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel. „Meine 14-jährige Tochter telefoniert nicht mehr mit ihrem Smartphone. Sie hat mich gebeten, ihr zu schreiben, statt sie anzurufen“, sagte er in einem kurzen Statement zu Beginn der Tagung. „Wenn wir wissen wollen, wo wir im Business Travel investieren sollen, müssen wir uns diese jungen Leute anschauen. Ihr Leben einfacher zu machen ist bald schon unsere Aufgabe.“
Quelle:  Verband Deutsches Reisemanagement e. V.

busisnes-travel.de

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