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Das Ende der Billigtickets

Fliegen wird teurer. Das sagt nicht nur Michael O’Leary, der umtriebige CEO von Ryanair. Schon heute ist absehbar, dass Maßnahmen in Sachen Klimaschutz zu einer weiteren Erhöhung der Flugpreise führen werden. Ein Kommentar von Christian Pöchhacker .

Gestiegene Energiekosten, nicht zuletzt die hohen Ölpreise, wirken bereits als Preis- und Inflationstreiber. Maßnahmen, die das Bundesministerium für Klimaschutz (BMK) im Rahmen der Luftfahrtstrategie 2040+ festgelegt hat, werden die Ticketpreise weiter verteuern. Und auch wenn Klimaschutz zweifellos eine wichtige Sache ist, muss man sich die potenziellen Folgen für die Luftfahrt genauer anschauen. Drei Punkte werden im Strategieplan angeführt, die unmittelbare Auswirkungen auf die Preise haben werden. Das Ministerium spricht etwa von Kostenwahrheit, wenn es um die Besteuerung von Kerosin geht. Dementsprechend unterstützt Österreich eine dahingehende EU-Initiative. Airlines warnen bereits vor einer Wettbewerbsverzerrung, wenn Fluglinien außerhalb der EU, und dazu zählt mittlerweile auch Großbritannien, ihre Tanks mit steuerfreiem Treibstoff auffüllen können. Eine weitere Stärkung außereuropäischer Luftverkehrsdrehkreuze wäre die unausweichliche Konsequenz. Darüber hinaus ist die Weitergabe von Steuern und Gebühren, Stichwort Kostenwahrheit, ein weiteres Ziel des Ministeriums.

Emissionsrechte und nachhaltiger Treibstoffe als Kostentreiber

Auswirken wird sich auch die Abschaffung der kostenfreien Zuteilung von Emissionsrechten. Die stufenweise Abschaffung der Gratis-Zertifikate ist seitens der EU bis zum Jahr 2027 vorgesehen. Österreich prescht hier vor und kann sich eine Umsetzung schon bis 2025 vorstellen. Auch hier sind unmittelbare Auswirkungen nicht nur auf die Ticketpreise, sondern auch auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Fluglinien zu befürchten.

Und nicht zuletzt wird die verpflichtende Einführung nachhaltiger Treibstoffe (SAF) einiges an Geld kosten. BMK-Ministerin Leonore Gewessler würde Österreich in diesem Bereich gerne als Vorreiter sehen. Dafür wird in den nächsten Jahren eine Investitionssumme von 750 Mio. Euro notwendig sein, die, so schränkt sie ein, nicht allein von öffentlicher Seite aufgebracht werden kann. Darüber hinaus ist SAF auch noch teurer als herkömmliches Kerosin. Gerade erst zwei Jahre Pandemie überstanden und konfrontiert mit einer kriegerischen Auseinandersetzung in Europa, steht die EU-Luftfahrt vor neuen großen Herausforderungen. Eines kann man vorneweg nehmen, die Konsequenzen werden kurz- und mittelfristig steigende Flugpreise sein. Nicht unbedingt förderlich in Zeiten sinkender Kaufkraft.

tip-online.at

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