Rund 15’000 Vorfälle in der Zivilluftfahrt
Die Unfallsatistik des BAZL verdeutlicht den Anstieg der Zwischenfälle.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) bearbeitete 2025 knapp 15’000 Meldungen zu Vorfällen – deutlich mehr als in früheren Jahren. Dies geht aus dem soeben publizierten Annual Safety Report hervor.
Rund 20% mehr Vorfälle in der kommerziellen Luftfahrt und der Freizeitfliegerei als im Vorjahr wurden 2025 gemeldet: Im Berichtsjahr 2025 bearbeitete das BAZL insgesamt 14’972 Vorfälle. Kategorisieren, analysieren und daraus Massnahmen definieren: Aus den eingegangenen Meldungen identifiziert das BAZL für die fünf Bereiche Flugplätze, Flugsicherung, Flugbetrieb, Helikopter und Flugtechnik die wichtigsten Ursachen und beurteilt sie nach dem Schweregrad.
Die Sicherheitskultur der zivilen Luftfahrt baut auf Erfahrungen von Pilotinnen und Piloten, Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie dem Bodenpersonal auf. Von den gemeldeten sicherheitsrelevanten Vorfällen leitet das BAZL Präventionsmassnahmen ab und erarbeitet Empfehlungen.
Seit 2019 nehmen die Vorfallmeldungen zu. Die Hauptursachen: die bessere Meldekultur; die Zunahme des kommerziellen Luftverkehrs sowie mehr Konfliktregionen mit grossflächig gestörten GPS-Signalen in Flugzeugen.
Im Schweizer Luftraum hat das Vermeiden von Kollisionen höchste Priorität. Die Analyse der Vorfallmeldungen liefert dabei wichtige Hinweise zu Schweregrad und Ort der Ereignisse. Zusammen mit der Schweizer Luftfahrtbranche sowie der Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) erarbeitet das BAZL im Projekt Future Aviation Surveillance Services and Technologies (FASST-CH) Lösungen. Ziel sei es, moderne Überwachungstechnologien einzuführen, damit alle im Luftraum sichtbar sind.
Die Meldungen im Detail
Die Zahl der gemeldeten Luftraumverletzungen ist gestiegen: 2025 wurden 650 Ereignisse registriert gegenüber 439 im Jahr 2024. Auch die Rate pro 10’000 Bewegungen (8.5) erhöhte sich (8.5 im 2025 gegenüber 5.4 im 2024).
In der neuen Terminal Maneuvering Area über Zürich kam es in den ersten Monaten nach ihrer Einführung häufiger zu Luftraumverletzungen – ein erwarteter Effekt bei Änderungen der Luftraumstruktur.
Auch die Zahl der gemeldeten Konflikte zwischen Flugzeugen und Drohnen ist gestiegen: von 56 im Jahr 2024 auf 105 im Jahr 2025. Hauptgrund dafür ist das neue Drohnenerkennungssystem in Zürich, das mehr Ereignisse sichtbar macht. Ebenso nahm die Zahl der gemeldeten Konflikte zwischen Drohnen und Helikoptern zu: 19 im Jahr 2025 gegenüber 10 im Jahr 2024.
Als mittelfristige Lösung setzt das BAZL auf das Projekt Future Aviation Surveillance Services and Technologies (FASST-CH). Ziel ist es, moderne Überwachungsdienste und -technologien zu prüfen und einzuführen. So sind alle Verkehrsteilnehmenden im Luftraum besser sichtbar: Konflikte werden frühzeitig erkannt. Für FASST-CH arbeitet das BAZL eng mit der Schweizer Luftfahrtbranche sowie der Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) zusammen.
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Flughafen Zürich. Hier bestehen Risiken am Boden und in der Luft. Das Betriebssystem des verkehrsreichsten Schweizer Landesflughafens ist komplex. Um das Kollisionsrisiko weiter zu senken, sind verschiedene Massnahmen vorgesehen. Dazu gehören Pistenverlängerungen, Anpassungen im Flughafenlayout – etwa Umrollungen, Schnellabrollwege oder andere Pistenkreuzungen – sowie aktualisierte Flugverfahren.
Vorfallmeldungen aus dem Umfeld des Flughafens sind entscheidend, um die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken realistisch einzuschätzen. Diese Daten flossen in die Neugestaltung des Zürcher Luftraums 2025 ein. Der neue Luftraum enthält zusätzliche Sicherheitspuffer für Ab- und Anflüge. Zudem prüft das BAZL weitere Massnahmen, insbesondere Starts in Richtung Süden geradeaus auf Piste 16 bei Bise.
Es gibt weitere Sicherheitsthemen. So hat die Zahl der unstabilisierten Anflüge – also Anflüge, bei denen Stabilisierungskriterien wie Position, Höhe, Geschwindigkeit oder Konfiguration unterhalb einer fest definierten Entscheidungshöhe nicht eingehalten werden – auf einem tiefen Niveau zugenommen. Diese Meldungen kommen vorwiegend aus der kommerziellen Luftfahrt.
Auch die Zahl renitenter oder rauchender Passagiere ist gestiegen. Im Jahr 2025 wurden über 2000 Fälle gemeldet, was einer Zunahme von 15% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Im Helikopter-Bereich stehen die spezialisierte Tätigkeit wie jene für die Landwirtschaft und Schulungsflüge weiterhin im Fokus. Die Ursachen von Helikopterunfällen sind vielfältig. Das BAZL analysiert einen grossen Teil der Vorfälle und steht dabei auch mit der SUST in Kontakt.
Die Zahl der gemeldeten Lufttüchtigkeitsvorfälle nahm 2025 um 26% zu. Die Hauptgründe: Das BAZL verbesserte gemeinsam mit den Organisationen das Meldewesen; es führte Änderungen in der Risikoklassierung durch und passte die Schwelle für die Meldung von Vorfällen bei verschiedenen Organisationen an.
Internationale Entwicklungen wirken sich auf die Sicherheit aus. Dazu gehören zunehmende GPS-Störungen durch GNSS-Spoofing oder -Jamming sowie der Anstieg von Vorfällen mit schwierigen Passagieren. Beide Themen stellen ein Sicherheitsrisiko dar und werden vom BAZL kontinuierlich beobachtet.
Quelle: https://abouttravel.ch/reisebranche/rund-15000-vorfaelle-in-der-zivilluftfahrt/