Der Spagat wird grösser
«Das Fliegen bezahlbar halten» will Swiss CEO Jens Fehlinger.
Die Nachfrage nach Flugreisen bleibt hoch – trotz geopolitischer Unsicherheiten, steigender Kosten und wachsendem Druck, die Luftfahrt nachhaltiger zu gestalten.
Für Swiss-CEO Jens Fehlinger, seit Oktober 2024 im Amt, ist genau dieser Spagat derzeit die grösste Herausforderung. Im Gespräch mit der ‘Migros’ Zeitung skizziert er die strategischen Prioritäten der Airline.
Bei der Nachfrage beobachtet Swiss eine zunehmende Kurzfristigkeit bei den Buchungen. Besonders stark entwickelt sich derzeit Asien, wobei Indien zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählt. Mit Bengaluru hat Swiss kürzlich ihre dritte Destination in Indien aufgenommen.
Die Nachfrage stammt derzeit vor allem aus dem Geschäftsreiseverkehr, gleichzeitig gewinnt das Land auch touristisch an Bedeutung. Weitere Destinationen in Asien würden geprüft, konkrete Pläne wollte Fehlinger aus Wettbewerbsgründen jedoch nicht nennen.
Der Norden holt auf
Auch innerhalb Europas bleiben klassische Feriendestinationen wie Spanien, Portugal und Griechenland gefragt. Gleichzeitig registriert Swiss aufgrund der zunehmenden Sommerhitze eine steigende Nachfrage nach nordeuropäischen Zielen wie Schweden oder Norwegen – allerdings sieht Fehlinger diese noch auf deutlich tieferem Niveau als bei den klassischen Mittelmeerzielen.
Neue Strecken entstehen laut dem Chef von rund 9’600 Mitarbeiter*innen nicht kurzfristig. Bevor eine Verbindung aufgenommen werde, analysiere Swiss während mehrerer Jahre die Nachfrage sowie Faktoren wie Verkehrsrechte, Slots, verfügbare Flugzeuge und Crews sowie die Einbindung ins bestehende Netzwerk.
Grösste Herausforderung: Nachhaltigkeit
Ein zentrales Thema bleibt die Nachhaltigkeit. Fehlinger bezeichnet den Einsatz moderner Flugzeuge als wichtigen Schritt. Der neue Airbus A350 verbrauche rund 25 Prozent weniger Treibstoff als ältere Flugzeugtypen.
Entscheidend seien jedoch nachhaltige Flugtreibstoffe (SAF). Die Technologie sei vorhanden, allerdings fehle es derzeit an ausreichenden Produktionskapazitäten und wettbewerbsfähigen Preisen. Diese Herausforderung könne die Branche nur gemeinsam lösen.
Gut gerüstet für die Sommersaison
Parallel dazu nehmen die geopolitischen Herausforderungen zu. Gesperrte Lufträume, Konflikte und volatile Treibstoffpreise machten den Flugbetrieb deutlich komplexer. Swiss sichere sich deshalb einen Teil ihres Treibstoffbedarfs langfristig ab, müsse gleichzeitig aber flexibel auf kurzfristige Entwicklungen reagieren. Für die laufende Sommersaison sieht sich die Airline dennoch gut vorbereitet.
Trotz steigender Kosten für Treibstoff, Gebühren und regulatorische Vorgaben will Swiss das Fliegen nach Möglichkeit erschwinglich halten. Am grundsätzlichen Preissystem habe sich nichts geändert, vielmehr werde weiterhin über die Verfügbarkeit der Tarife gesteuert. Langfristig werde sich jedoch nicht jede Kostensteigerung vollständig absorbieren lassen.
Qualität vor Luxus
Gleichzeitig investiert Swiss Milliarden in die Flottenerneuerung und den Ausbau ihres Premiumprodukts. Dabei gehe es laut Fehlinger nicht um Luxus, sondern um Qualität, Zuverlässigkeit und ein hochwertiges Reiseerlebnis in allen Reiseklassen. Besonders dynamisch entwickle sich derzeit die Premium Economy.
Der CEO, der selbst Pilot ist und seine Lizenz weiterhin mit Simulator Trainings aufrechterhält, betont zudem den Stellenwert der Unternehmenskultur. Den Blick für das Gesamtsystem und den direkten Kontakt mit den Mitarbeitenden wolle er sich auch an der Spitze der Airline bewahren.
So kann es durchaus auch mal vorkommen, dass man auf einem Swiss-Flug das obligate ‘Schöggeli’ vom CEO persönlich überreicht bekomme.
Quelle: https://abouttravel.ch/reisebranche/der-spagat-wird-groesser/