Swiss rechnet mit höheren Ticketpreisen
Steigende Kerosinkosten, eingeschränktes Wachstum und GAV-Verhandlungen: Swiss-CEO Jens Fehlinger hat einige Baustellen.
Im Rahmen des Erstflugs nach Bengaluru hat Swiss-CEO Jens Fehlinger in mehreren Interviews mit Schweizer Publikumsmedien zu den derzeitigen Herausforderungen der Fluggesellschaft Stellung genommen.
Im Fokus stehen steigende Betriebskosten, eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten und die laufenden Verhandlungen mit dem Cockpitpersonal.
Höhere Ticketpreise erwartet
Aufgrund der gestiegenen Kerosinkosten müssen sich Passagiere auf höhere Flugpreise einstellen. Wie Fehlinger gegenüber der Sonntags Zeitung erklärte, habe die Swiss bis Ende 2026 noch 80% ihres Kerosinbedarfs preislich abgesichert – ab 2027 liege dieser Anteil nur noch bei 50%.
Die gestiegenen Treibstoffkosten müssten deshalb zumindest teilweise über höhere Ticketpreise kompensiert werden. Wie stark diese steigen, hänge jedoch in erster Linie von Angebot und Nachfrage ab. Laut Fehlinger seien die Kundinnen und Kunden derzeit bereit, einen Teil der Mehrkosten zu tragen.
Neben den Treibstoffpreisen erschweren gesperrte Lufträume sowie anhaltende Probleme in den Lieferketten von Treibwerken das Wachstum der Airline. Hinzu kommen Engpässe bei der Einsatzplanung der Piloten. Die Swiss investiere deshalb verstärkt in deren Ausbildung und Umschulung auf andere Flugzeugtypen.
Keine Rückkehr nach Lugano geplant
Auch eine Wiederaufnahme der Flugverbindung zwischen Lugano und Genf ist derzeit nicht vorgesehen. Gegenüber dem Corriere del Ticino erklärte Fehlinger, dass bisherige Versuche gezeigt hätten, dass sich die Strecke langfristig nicht rentabel betreiben lasse.
Anders sieht die Situation in Genf aus. Dort will die Lufthansa-Tochter weiterhin wichtige Märkte bedienen und mittelfristig wieder wachsen. Auf einzelnen Strecken kommen deshalb grössere Airbus A320 anstelle der bisherigen A220 zum Einsatz.
GAV-Verhandlungen bleiben schwierig
Eine weitere Herausforderung sind die laufenden Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Cockpitpersonal. Der aktuelle Vertrag läuft Ende 2026 aus, eine Einigung steht bislang aus.
Die Piloten fordern insbesondere eine bessere Planbarkeit ihrer Freizeit. Die Swiss wiederum verlangt mehr Flexibilität und eine höhere Produktivität.
Laut Fehlinger beschäftigt die Airline heute ungefähr gleich viele Piloten wie vor der Pandemie, führt jedoch weniger Flüge durch.
Gegenüber dem Sonntags Blick betonte der CEO, dass ein Streik weder für die Passagiere noch für die Mitarbeitenden eine gute Lösung wäre. Die Swiss sei weiterhin an einer Verhandlungslösung interessiert und zeige sich auch offen für eine externe Moderation oder Mediation.
Stellenabbau in der Administration
Um die Kosten zu senken, will die Swiss zudem die Zahl der administrativen Stellen um rund 10% reduzieren. Entlassungen seien laut Fehlinger nicht geplant. Die Reduktion soll durch freiwillige Massnahmen und natürliche Fluktuation erfolgen. Der Einstellungsstopp bleibt bestehen, wobei Piloten und Kabinenpersonal davon ausgenommen sind.
Trotz der Herausforderungen sieht Fehlinger weiterhin Wachstumspotenzial, insbesondere in Indien. Mit der neuen Verbindung nach Bengaluru bedient die Swiss nach Delhi und Mumbai mittlerweile drei Destinationen auf dem Subkontinent.
Quelle: https://abouttravel.ch/reisebranche/swiss-rechnet-mit-hoeheren-ticketpreisen/