Geschäftsreisen in Europa legen leicht zu
Die GBTA + VDR Europe Conference 2026 – in Kooperation mit ABTA (Austrian Business Travel Association), die erstmals in Wien stattfand, versammelte rund 1.400 Teilnehmende aus über 40 Ländern. Im Austria Center Vienna drehte sich drei Tage (2. bis 4. November) lang alles um Geschäftsreisen.
Die Ausgaben für Geschäftsreisen mit europäischem Ausgangspunkt steigen 2026 voraussichtlich um 7% auf 404 Mrd. EUR. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Reisen nur geringfügig zu. Die Global Business Travel Association (GBTA) rechnet heuer mit rund 600 Millionen Geschäftsreisen aus europäischen Herkunftsmärkten. Damit bleibt Europa einer der bedeutendsten Geschäftsreisemärkte weltweit. Grundlage der Zahlen ist der Global Business Travel Index, der Geschäftsreiseentwicklungen und Prognosen für 72 Länder und 44 Branchen erfasst Im Zuge der weltweiten Befragung wurden im Mai 2026 mehr als 4.700 Geschäftsreisende interviewt.
Diskrepanz zwischen Volumen und Ausgaben
Die Entwicklung zeigt eine zunehmende Diskrepanz zwischen Reisevolumen und Ausgaben: Während die Zahl der Geschäftsreisen 2026 lediglich um 0,7% wachsen dürfte, steigen die finanziellen Aufwendungen deutlich stärker. Weltweit prognostiziert die GBTA ein Ausgabenplus von 7,2% bei einem Wachstum des Reisevolumens von 1,3%. Insgesamt sollen die globalen Geschäftsreiseausgaben heuer 1,52 Billionen EUR erreichen.
Auf Europa entfallen damit 27% der weltweiten Ausgaben, womit der Kontinent gleichauf mit Nordamerika liegt. Für 2027 erwartet die GBTA einen weiteren Anstieg auf 425 Mrd. EUR, bis 2030 sollen die Ausgaben auf 471 Mrd. EUR wachsen.
„Europas Geschäftsreisesektor zeigt weiterhin bemerkenswerte Stärke und Durchhaltevermögen. Selbst wenn Unternehmen durch ein komplexes Geschäftsumfeld navigieren, zeigt die Prognose, dass sie weiterhin großen Wert darauf legen, Menschen für externe und interne Meetings zusammenzubringen“, sagte Suzanne Neufang, CEO der GBTA. „Gleichzeitig bedeutet die Kluft zwischen dem Ausgabewachstum und dem Reisevolumen, dass Unternehmen und Travel Manager verstärkt darauf achten, dass jede Reise einen klaren Mehrwert liefert.“
Deutschland größter europäischer Markt
Westeuropa dominiert den regionalen Geschäftsreisemarkt mit prognostizierten Ausgaben von 354,9 Mrd. EUR. Auf Mittel- und Osteuropa entfallen 49,1 Mrd. EUR. Allerdings dürfte die östliche Region 2026 mit einem Plus von 10,8% stärker wachsen als Westeuropa mit 6,5%.
Bei den einzelnen Herkunftsmärkten liegt Deutschland mit 79,9 Mrd. EUR an der Spitze. Es folgen das Vereinigte Königreich (50 Mrd. GBP), Frankreich (45 Mrd. EUR), Italien (39,5 Mrd. EUR) und Spanien (26,5 Mrd. EUR). Zusammen vereinen diese fünf Länder rund 62% der europäischen Geschäftsreiseausgaben auf sich.
Wie und warum Europäer:innen geschäftlich reisen
Die Geschäftsreisenden in Europa bleiben mobil: 74% der von der GBTA befragten Personen erwarten, 2026 gleich häufig oder häufiger geschäftlich unterwegs zu sein als im Vorjahr. 53% unternahmen 2025 ein bis zwei Geschäftsreisen über eine Distanz von mindestens 80 km, weitere 36% kamen auf drei bis zehn Reisen.
37% der Geschäftsreisen führten über Landesgrenzen hinweg, 63% fanden innerhalb des eigenen Landes statt. 57% der Reisen waren mit mindestens einer Übernachtung verbunden, 43% wurden an einem Tag absolviert. Bei Geschäftsreisen mit Übernachtung betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 3,6 Nächte.
Der wichtigste Anlass für berufliche Reisen sind Termine mit Kund:innen sowie Meetings aus den Bereichen Verkauf und Kundenbetreuung. Dahinter folgen Schulungen, Projektarbeit sowie Konferenzen und Kongresse. Bei der Verkehrsmittelwahl zeigt sich die Bedeutung unterschiedlicher Mobilitätsformen: 43% der Befragten nutzten auf ihren Geschäftsreisen 2025 das Auto, 34% das Flugzeug und 25% die Bahn.
Bemerkenswert ist die Verbindung von Geschäfts- und Privatreisen: 55% der europäischen Geschäftsreisenden erwarten, 2026 eine berufliche Reise um einen privaten Aufenthalt zu verlängern. Damit bleibt Bleisure Travel ein relevanter Bestandteil des Geschäftsreiseverhaltens.
Auch bei der Bezahlung und Abrechnung zeigen sich etablierte digitale und unternehmensgestützte Strukturen. 43% der Befragten nutzen ein System zur Reisekostenverwaltung, 64% erhalten von ihrem Unternehmen eine Firmenkreditkarte. Von jenen, die über eine solche Karte verfügen, belasten 61% zumindest die Hälfte ihrer Geschäftsreiseausgaben damit. 57% haben ihre Firmenkarte außerdem in einer digitalen Geldbörse auf dem Smartphone hinterlegt.
Quelle: https://www.tip-online.at/news/61049/geschaeftsreisen-in-europa-legen-leicht-zu/